Blaue Augen bleiben blau

In der Bibliothek der HAB hat es nicht nur schwule und lesbische Literatur. Es gibt auch Bücher zu Transsexualität. So z.B. die Biografie von Balian Buschbaum, welcher als Yvonne im Stabhochsprung an Europameisterschaften zwei Mal Bronze holte.

Die zentralen Themen im Buch sind der Sport und die Anpassung an das empfundene, männliche Geschlecht.

Beim Lesen des Buches erlebt man die Geschichte eines Knaben resp. Mannes mit. Nur selten wird einem bewusst, dass Balian im Körper einer Frau steckte.

Seine damit verbundene Niedergeschlagenheit konnte er im Stabhochsprung in Erfolg und Geld umwandeln. Das Gefühl zu fliegen bescherte ihm Augenblicke vollkommener Zufriedenheit. Allerdings trainierte er seinen Körper mit der Zeit kaputt. Beide Achillessehnen rissen.

Die Frage seiner besten Freundin, weshalb er sich nicht umoperieren lasse, brachte schliesslich den Stein ins Rollen. Balian fand einen Namen für sein Anderssein: Transidentität. Es folgte das Coming‐out, eine aufsehenerregende Presseerklärung, die Hormontherapie und schliesslich die geschlechtsanpassenden Operationen.

Balian schreibt sehr offen über sein Leben und seine Gefühle und zeigt auch auf, wie ihn das Testosteron veränderte. Er geht auf die selber erlebten Unterschiede zwischen der weiblichen und männlichen Gefühlswelt ein. Auch Beschreibungen über seine ersten Erfahrungen mit seinem Penis fehlen nicht. So musste er eine Nacht mit einer Dauererektion durchstehen, da er den Ablassknopf für die integrierte Penispumpe nicht finden konnte.

Beeindruckt hat mich der Mut von Balian und wie er z.B. als 18‐jährige Yvonne selbstverständlich versuchte, an die männliche Ausführung der Ausgangskleider der Nationalmannschaft zu gelangen. Balian schliesst das Buch damit, dass er sich aus seinem Gefängnis (seinem Körper) befreien konnte und appelliert an den Leser, sich auch zu befreien.

Andreas Mosimann 16.05.2013

Balian Buschbaum
«Blaue Augen bleiben blau – Mein Leben»
Krüger Verlag, 2010
ISBN 978–3-8105–2619-9, 253 Seiten